Die Philosophie meiner Erlebnispädagogischen Projekte

In meinem letzten Eintrag habe ich die Philosophie meiner Erlebnispädagogischen Projekte bereits kurz erwähnt. Die drei Aspekte der Beziehung zum Pferd, die Erfahrung in der Gruppe und die künstlerisch-kreative Komponente wollte ich alle mit meinen Angeboten abzudecken. Eine Beziehung zum Pferd aufbauen als vorrangiges Element, ergab sich quasi als Notwendigkeit, da mein Programm immer auch ein „in Kontakt treten“ mit den Ponys oder unserer Stute Rosi beinhaltete. Ich zeigte den Kindern, wie man sich bei einem Pferd verhält, was es mag, was es nicht mag oder wo man vielleicht sogar etwas aufpassen muss. Wir besprachen, wie Pferde ohne Worte kommunizieren, sprich welche non-verbalen Signale das Pferd überhaut senden kann und ich machte die Kinder immer wieder und ganz im Sinne einer Achtsamkeitsübung und einem „Rücksichtnehmen auf andere“ darauf aufmerksam. Mein Ziel war es, dass die Kinder  die Bedürfnisse der Pferde als solche wahrnehmen lernten und dass sie in weiterer Folge den Pferden wertschätzend und dabei aber klar und für Tiere verständlich gegenübertreten lernten.

Das Gruppensetting als zweite Säule ist für mich ein sehr sinnvolles Werkzeug. Vieles wird erst in einer Gruppe zum Thema oder sichtbar. Da wir unser Leben lang immerzu  Gruppensituationen ausgesetzt sind, ist es sinnvoll, sich immer wieder in positiv besetzte Gruppenkonstellationen zu begeben, damit eben auch positiv behaftete Erfahrungen gesammelt werden können. In einem ungeschützten Rahmen müssen sich Kinder schließlich auch immer in eine Gruppe einfügen, sie müssen sich durchsetzen aber auch nachgeben können, sie müssen ihren Platz finden. All diese Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen flossen in meine Projekte im Sommer bewusst ein, auch wenn sie durch die jeweiligen Projektgestaltungen vermeintlich nebensächlich erschienen.

Der letzte Aspekt beinhaltete eine Entfaltungsmöglichkeit der künstlerisch-kreativen Ebene. In unserer schnelllebigen Zeit sind kreative Fertigkeiten oft nebensächlich geworden und mussten einem knallharten Leistungsgedanken weichen. Wie wertvoll es allerdings sein kann, dass einem Kind die Möglichkeit geboten wird, dass es sich künstlerisch austoben kann und sei es nur durch das Flechten eines Zopfes in der Mähne des Pferdes, habe ich einmal mehr im Zuge meiner Projekte gesehen. Auch wenn sich nicht immer jedes Kind gleich auf solche Angebote einlassen kann und will, so ist es trotzdem jedes Mal aufs Neue schön zu sehen, wie sich manche Kinder ganz in ihrem Tun vergessen. Sie nehmen ihre Umgebung nicht mehr wirklich war und tauchen ganz in ihre jeweilige Handlung ein. Für sie ist es die Freude, etwas Schönes zu schaffen, ein Zopf mit einer Blume drin, ein schönes Band im Schweif, eine Kette für die Pferde, und und und. Für mich ist es viel mehr, das ich sehe. Ich sehe Konzentrationsfähigkeit, Handlungsplanung, Frustrationstoleranz, Feinmotorik und kreative Entfaltung in einer einzigen kleinen Handlung.

Die Beziehung zum Pferd, die Gruppenerfahrung und die kreative Komponente waren die drei Säulen auf die ich meine verschiedenen Erlebnispädagogischen Projekte im Sommer aufgebaut hatte. Ich bin froh, dass sie so gut angenommen wurden, ich war jede Woche ausgebucht. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Projekte, die zum Teil schon in Planung sind.